Die Rede von THOMAS VOGEL auf der Veranstaltung
Für seine ausdrucksstarke und klare Wortwahl, seine brillanten Reden und Bonmots war Werner Schulz bekannt, als DDR-Bürgerrechtler und als Abgeordneter des Bundestages und des Europaparlaments.
Uns, den Mitgliedern der Werner-Schulz-Initiative ist es wichtig, Werners vehementen und beherzten Einsatz für Demokratie und Gerechtigkeit, in der DDR, im wiedervereinten Deutschland und vor allem in Osteuropa und Russland nicht zu vergessen und sein Vermächtnis weiterzutragen.
Dafür haben wir zwei Jahre nach seinem Tod den Verein der Werner-Schulz-Initiative im letzten Jahr gegründet; einen Werner-Schulz-Preis ins Leben gerufen und erstmals in diesem Jahr, am 22. Januar, seinem 75. Geburtstag, in Berlin vergeben.
Wir möchten nicht nur eine bleibende Erinnerung an sein Wirken schaffen, sondern sein Engagement fortführen und diejenigen (wie auch uns selbst) ermutigen und unterstützen, die sich für Menschrechte und Demokratie heute einsetzen, hier in Deutschland und darüber hinaus.
Sagte Werner Schulz bei seiner Rede auf der Vernissage am 30. März 2015 hier in der Leipziger Universität. Da hatte sich auch für ihn endlich erfüllt, wofür er sich so lange – auch für seinen Freund Erich Loest – eingesetzt hatte – dass die aus seiner Sicht massiv beschönigende, ja verkitschte Darstellung der DDR-Realität in Werner Tübkes Bild „Arbeiterklasse und Intelligenz“ nicht unwidersprochen bleibt.
Er hatte sich viele Jahre akribisch und intensiv mit der Geschichte des Bildes, seiner Entstehung und Rezeption auch nach 1989 beschäftigt.
Für uns ist Werner Schulz so ein Vorbild, da er Rückgrat zeigte, immer wieder auch unbequeme, aber doch richtige Positionen einnahm, wie sich im Nachhinein zeigte. Das wurde besonders deutlich in seiner Beschäftigung mit Russland und dem Putin-Regime, dessen imperiale Ansprüche er schon sehr früh äußerst kritisch begegnete und die deutsche Naivität vor allem der Politik gegenüber Putin anprangerte.
Heute gefährdet genau diese Autokratie unsere Demokratie – von außen sehr sichtbar, mit der Voll-Angriff auf die Ukraine, der dort nicht enden wird – aber auch von innen, leider für viele weniger sichtbar, mit hybriden Angriffen, Desinformation und der Unterstützung all derjenigen, die demokratische Mitbestimmung in unserem Land abbauen oder gar ganz abschaffen wollen.
Wir wollen diese Aufforderung von Werner Schulz entsprechen und weitertragen. Wir planen dafür weitere Veranstaltungen und auch die Ausschreibung von Werner-Schulz-Stipendien, mit denen wir Aktivisten und Engagierte aus der deutschen und europäischen Zivilgesellschaft fördern und unterstützen wollen.
Wir freuen uns, dass wir dafür namhafte Unterstützerinnen und Unterstützer aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gefunden haben und gleichgesinnte Partner wie die Stiftung Friedliche Revolution. Mit ihr zusammen werden wir die nächste Festveranstaltung und Preisverleihung am 22. Januar 2026 hier im Paulinum in Leipzig organisieren und durchführen.
Wir würden uns freuen, wenn wir Ihr Interesse geweckt haben und anschließend noch ins Gespräch kommen. Mit mir angereist sind auch Rebecca Harms, langjährige politische Wegbegleiterin von Werner und seine Tochter Frauke Bublies. Und natürlich Gesine Märtens hier aus Leipzig.
Vielen Dank.


