Ina Rumiantseva wird Trägerin

Ina Rumiantseva wird Trägerin des Werner-Schulz-Preises 2025

Erste Preisträgerin des neu geschaffenen, mit 7500 Euro dotierten Werner-Schulz-Preises ist die Aktivistin und Menschenrechtlerin Ina Rumiantseva.

Etwa 250 Besucherinnen und Besucher waren am Abend des 22. Januar 2025 in die Französische Friedrichstadtkirche gekommen, um an der Preisübergabe teilzunehmen. Weder Ort noch Datum, waren zufällig gewählt worden. An diesem Tag hätte Werner Schulz seinen 75. Geburtstag gefeiert und in der Kirche hat er wenige Monate vor seinem überraschenden Tod den Deutschen Nationalpreis erhalten.

Für die Preisübergabe hatte die Initiative die belarussische Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch gewinnen können.

 

Impressionen der Preisverleihung

rede dr. friederike-krippner

Kristoffer Born © Werner-Schulz-Initiative

Saal Publikum

Kristoffer Born © Werner-Schulz-Initiative

podiumsdiskussion

Kristoffer Born © Werner-Schulz-Initiative

 

 

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Thomas Vogel und Dr. Friederike Krippner begrüßen die Besucher:innen

Die Begrüßung übernahmen Thomas Vogel als Vorsitzender der Werner-Schulz-Initiative sowie Dr. Friederike Krippner, Direktorin der Evangelischen Akademie zu Berlin.

Thomas Vogel erinnerte an den überraschenden Tod Werners am 9. November 2022. Bei der Trauerfeier in der Gethsemanekirche Anfang Dezember habe sich eine Gruppe von Freundinnen, politischen Wegbegleiterinnen und auch seine Kinder verständigt, dass sein Wirken mit diesem Tage nicht zu Ende sein soll und sein politisches Vermächtnis weitergetragen werden müsse. Schon ein gutes Jahr später, im Januar 2024, fand die Auftaktveranstaltung zur Werner-Schulz-Initiative im Haus der Demokratie. 

Mittlerweile habe man mehr als 50 Unterstützerinnen aus der europäischen Zivilgesellschaft und Politik gefunden, einen Verein gegründet, Fördermittel beantragt, Spenden gesammelt.

Manuskript der Eröffnungsrede von Thomas Vogel

„Wir freuen uns sehr, dass wir heute an werners 75. geburtstag erstmals einen preis mit seinem namen übergeben werden und dass sie alle so zahlreich gekommen sind, um an ihn zu denken und die preisträgerin ina rumiantseva zu würdigen“. 

Thomas Vogel, Vorsitzender der Werner-Schulz-Initiative

 

Dr. Friederike Krippner erinnerte an die Rolle der Kirche bei der friedlichen Revolution in der DDR. Sie betonte den Wert von Freiheit und Demokratie und die dafür nötigen Netzwerke gerade in der heutigen Zeit, in der der Rechtspopulismus auf dem Vormarsch sei und auch die Entwicklungen in den USA allen demokratischen Kräften in Europa sorgen bereiten müssten.  

Manuskript des Grußwortes von Dr. Friederike Krippner

 

Laudatio von Prof. em. Dr. Karl Schlögel

In seiner Laudatio ging Prof. em. Dr. Karl Schlögel von der Europa-Universität Viadrina auf die Bedeutung von Belarus und der Ukraine für Europa ein. Er beklagte dabei die jahrzehntelange mangelnde Wahrnehmung beider Länder, was sich im Fall der Ukraine erst durch den russischen Angriffskrieg verändert habe.

Was Belarus angeht, da war man sich „nicht einmal sicher, wie man Land und Volk nennen sollte oder durfte. Weissrussland, Belorussland, Belaruss, vielleicht sogar Weissruthenien“. 

Belarus sei „keine Leerstelle“, sondern der „zentrale Schauplatz der europäischen Tragödie“, und auch heute wieder Schauplatz des Ringens zwischen Diktatur und Freiheit.

Prof. em. Dr. Karl Schlögel

Prof. em. Dr. Karl Schlögel, © Kristoffer Born © Werner-Schulz-Initiative

   

Tatsächlich gehöre es zur Mitte Europas. Dies zu erkennen, zu verbreiten, ist das, was Menschen wie die hier geehrte Ina Rumiantseva zusammen mit den Aktivisten von Razam, Viasna und anderen Menschenrechtsinitiativen seit Jahren tun. Hier schließe sich der Bogen zwischen dem Friedensgebet in der Gethsemane-Kirche, der DDR-Freiheitbewegung von 1989 und der Proteste in Belarus im August 2020 bis heute. 

Vor diesem Hintergrund werden die Mühe und das Verdienst der von der Initiative ausgezeichneten Ina Rumiantseva und ihrer Kampfgefährten und Gefährtinnen erst sichtbar. Vor den sogenannten Wahlen am kommenden Wochenende werde viel von Frieden geredet. Aber der Friede, den Werner Schulz meinte, so Schlögel unter großem Beifall, sei nicht ein anderer Name für Preisgabe, Kapitulation und Verrat, sondern der Name für die Verteidigung von Würde und Freiheit, die ohne Wehrhaftigkeit nicht zu haben ist.

Manuskript der Laudatio von Prof. em. Dr. Karl Schlegel als PDF

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Kristoffer Born © Werner-Schulz-Initiative

Werner-Schulz-Initiative

Kristoffer Born © Werner-Schulz-Initiative

Kristoffer Born © Werner-Schulz-Initiative

 

 

Kristoffer Born © Werner-Schulz-Initiative

Werner-Schulz-Initiative

Jury-Begründung durch Stephan Bickhardt

In der Begründung der Jury wies Stephan Bickhardt, Direktor der Evangelischen Akademie Sachsen, auf die Verdienste der Preisträgerin für Verständigung und Demokratie in Europa hin. Vor allem ihr unermüdlicher Einsatz für die politischen Gefangenen in Belarus verdiene höchstmögliche Anerkennung. Die 48-jährige Berlinerin wolle Brücken schlagen und „Übersetzerin“ sein zwischen Deutschland und der Zivilgesellschaft in Osteuropa. Der Vorsitzende der Jury hob hervor, dass sich Rumiantseva seit 2020 gemeinsam mit ihrem aus Minsk stammenden Mann intensiv für die Demokratiebewegung in Belarus engagiere.

Der Werner-Schulz-Preis werde damit an eine herausragende Vertreterin effektiv arbeitender europäischer Menschenrechtsaktivisten verliehen. Diese Aktivitäten, die heute exemplarisch für die Zusammenarbeit der Zivilgesellschaften in Mittel- und Osteuropa stehen, führten auf intensive Weise das Wirken von Werner Schulz fort. 

 

„Bei der Preisübergabe würdigte die Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch den mutigen Einsatz vieler Freiheitskämpfenden im Osten Europas und schilderte eindringlich, dass Belarus der lebendige Beweis eines modernen Gulags sei. “ 

 

Frauke Bublies, die Tochter von Werner Schulz, übergab der Preisträgerin einen Stein ihres Vaters. Viele wüssten nicht, dass er immer kleine Steine in seiner Tasche mit sich getragen habe, die ihm als Gedankenstütze und Denkhilfe dienten. Aber es könnte auch ein Stein des Anstoßes sein, so Bublies. 

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Stephan bickhardt, Swetlana Alexijewitsch, Frauke Bublies und Thomas Vogel mit der preisträgerin Ina Rumiantseva

Stephan bickhardt, Swetlana Alexijewitsch, Frauke Bublies und Thomas Vogel mit der preisträgerin Ina Rumiantseva

 

 

Kristoffer Born © Werner-Schulz-Initiative

Dankesrede der Preisträgerin Ina Rumiantseva

Ina Rumiantseva bedankte sich in Ihrer Rede bei drei Gruppen, die in ihrem Leben wichtig waren bzw. sie auf ihren Weg gebracht und begleitet hatten: Die Eltern, die zur Wendezeit auch politisch aktiv waren, die evangelischen Pfarrer in Wittenberge, die die Türen für die Opposition zur Zeit der Wende öffneten und die schon lange vor ihrer aktiven Zeit engagierten Organisationen der deutschen Zivilgesellschaft, die ihren eigenen Fokus erst auf Osteuropa lenkten.

Sie schilderte eindrücklich die schwierige Lage der Gefangenen in den Lagern und Gefängnissen in Belarus und widmete den Preis den Frauen in Belarus, die es vermocht hatten der Revolution und den Protesten 2020 nicht nur ein Gesicht zu geben, sondern auch die Proteste fortzuführen und zu stärken, als die Präsidentschaftskandidaten verhaftet wurden und die brutale Niederschlagung der Demonstrationen begann.

 

 

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Kristoffer Born © Werner-Schulz-Initiative

Eingangs hatte Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, in seinem Grußwort an die Verdienste von Werner Schulz erinnert und einige seiner Eigenschaften hervorgehoben, die aus seiner Sicht auch für die Preisvergabe maßgeblich waren:Seine Geradlinigkeit, denn Werner habe nicht um den heißen Brei herumgeredet, seine Positionen stets intensiv durchdacht und dann aber auch mit engagierter Konsequenz vertreten. „Er war kein Fähnlein im Wind, sondern ein Fels in der Brandung“, so Krüger.

Seine Beharrlichkeit. Werner sei an den Themen seiner Zeit drangeblieben und habe sie nicht zurückgelassen. 

Seine Streitbarkeit und Konfliktfähigkeit. Man konnte sich gut mit ihm streiten. „An seinen Prinzipien konnte man sich die Zähne ausbeißen“, so Krüger. Aber der Streit wurde von ihm immer kultiviert, wertschätzend und auf Augenhöhe geführt. 

Seine Überzeugungskraft. Er sei ein hervorragender Analytiker gewesen, der sich nicht von der erstbesten pragmatischen Lösung hinreißen ließ, sondern seinen inneren Kompass befragte.

Seine unglaublich starke Rhetorik. Seine Sprachmächtigkeit zog seine Zuhörer in den Bann. Dabei stellte er seine Rhetorik strikt in die Dienste seiner Überzeugungen.

Werners Lebensweg nehme uns in die Pflicht, den Weg, der noch nicht zu Ende gegangen ist, weiterzugehen. „Festzuhalten an der aktiven Unterstützung der Freunde in Mittel- und Osteuropa. Wachsam zu sein, die ‚Selbstbefreiung einer aktiven Generation‘, wie Werner die friedliche Revolution charakterisiert hat, zu verteidigen. Demokratie“, so Krüger, „sei kein Erbgut, was sich automatisch von einer Generation zur nächsten vererbt. Nein, sie will tagtäglich erkämpft werden.“

Manuskript des Grußwortes von Thomas Krüger als PDF

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Katrin Göring-Eckardt, Sabine Adler, Dr. habil. Karolina Wigura und  Ina Rumiantseva bei der Podiumsdiskussion

Kristoffer Born © Werner-Schulz-Initiative

Kristoffer Born © Werner-Schulz-Initiative

Kristoffer Born © Werner-Schulz-Initiative

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Deutschlands Verantwortung für Europas Freiheit

In der abschließenden Podiumsdiskussion ging es um die Rolle Deutschlands und Verantwortung bei der Verteidigung von Europas Freiheit. Es diskutierten die Preisträgerin, Ina RumiantsevaKatrin Göring-Eckardt, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages sowie Dr. habil. Karolina Wigura, Zentrum liberale Moderne, Universität Warschau. Die Moderation hatte Sabine Adler, Journalistin und Redakteurin Deutschlandfunk übernommen. 

Vor dem Hintergrund der sogenannten Wahlen in Belarus fokussierte sich die Diskussion wenig überraschend auf den Umgang mit dem Land. Würde ein teilweises Aussetzen der Sanktionen eine demokratische Entwicklung befördern? Ist der Kampf um Belarus bereits verloren und der russische Einfluss unumkehrbar? fragte Adler. Tendenziell widersprachen die Teilnehmerinnen, wenngleich diplomatische Aktivitäten und humanistisches Engagement zur Freilassung der politischen Gefangenen, auch im Hintergrund, nicht abgelehnt, sondern als möglicherweise hilfreich angesehen wurden. In einem Schlusswort forderte Karolina Wigura viel Geduld und einen langen Atem. Auch in Polen habe die demokratische Entwicklung lange gedauert und sei nicht immer gradlinig verlaufen. Deutschland und Europa sollten in ihrem Engagement für Demokratie und Frieden nicht nachlassen. 

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Sie schilderte eindrücklich die schwierige Lage der Gefangenen in den Lagern und Gefängnissen in Belarus und widmete den Preis den Frauen in Belarus, die es vermocht hatten der Revolution und den Protesten 2020 nicht nur ein Gesicht zu geben, sondern auch die Proteste fortzuführen und zu stärken, als die Präsidentschaftskandidaten verhaftet wurden und die brutale Niederschlagung der Demonstrationen begann.

Mit John Lennons Imagine beschlossen die belarussische Sängerin Valeria Dele vom Ensemble Koob die Veranstaltung. 

Thomas Vogel wies in einem Ausblick nochmal auf die Absicht der Werner-Schulz-Initiative hin, künftig neben dem jährlichen Preis auch Stipendien für junge engagierte Bürgerinnen zu vergeben. Dazu, so Vogel suche man weiter Spenden, Mitglieder und Kooperationspartner und lud ein, die Werner-Schulz-Initiative zu unterstützen.

 

Kristoffer Born © Werner-Schulz-Initiative

Kristoffer Born © Werner-Schulz-Initiative

Kristoffer Born © Werner-Schulz-Initiative

 

Bericht als PDF

Hier geht es zum Programm der Festveranstaltung 

Das Preisgeld wurde gestiftet durch die

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